Diese Gedanken

„…oder vielmehr diese Geistesblitze“ (denn als solche werden plötzliche Einfälle und spontane Eingebungen treffenderweise bezeichnet) würde ich nur allzu gerne „ausschalten“ können.

Da mir aber bis heute der entsprechende „Aus-Schalter“ fehlt, habe ich nach wie vor, diese speziellen Geistesblitze, die eben nicht zu erklären sind. Sie kommen ganz einfach intuitiv und stehen in keinerlei Bezug zu meinen völlig normalen Gedanken, die ich tagtäglich für gewöhnlich denke.

Ich bin weder in der Lage einen solchen Geistesblitz hervorzurufen, noch ihn inhaltlich zu beeinflussen, was mir als „Kontroll-Mensch“ doch mehr als schwer fällt. Oft bin ich total konzentriert und mit einer Sache tief beschäftigt, in dem Moment, wenn „mich der Blitz trifft“. Ob nun beim Zeitungslesen, Frühstück vorbereiten, Autofahren oder kurz vorm Einschlafen, ganz gleich, ich habe darauf einfach keinen Einfluss.

So hatte ich u.a. rein plötzlich, während einer meiner Dienste, den Tod meines Vaters vor Augen. Total aufgebracht und äußerst nervös rief ich bei meinen Eltern zuhause an und bekam folgendes von meiner Mutter zu hören:“Ja…Papa geht es nicht so gut. Er hat Lähmungserscheinungen im linken Arm und auch hin und wieder im Bein!“ Das war definitiv eine Antwort, die ich so gar nicht hören wollte und ich machte gleich darauf früher Feierabend, um so schnell wie nur möglich zu meinem Vater zu kommen. Auf dem Heimweg wurde ich weiterhin von den Gedanken an seinen Tod begleitet und ich hatte ein absolut unerklärlich schlechtes Gefühl, bezüglich „Papa“…

Bei meinen Eltern angekommen, trommelte ich meine drei Geschwister zusammen und machte meiner Sorge Luft. Ich war sowas von in Panik und die drei meinten nur, dass ich jetzt wohl ganz die Nerven verlieren würde, ich sollte doch mal locker bleiben. Nach etlichen Diskussionen und letztlich auch auf ärztliches Anraten, wurde unser Vater an diesem Tag noch stationär aufgenommen und ich hatte weiterhin „seinen Tod im Gefühl“. Dementsprechend unruhig blieb ich auch und meine Gedanken gingen währenddessen mal wieder ihre eigenen Wege. Unvorhergesehen hatte ich jäh Papas Beerdigung im Kopf, was mich nur noch mehr aufregte und mich dazu brachte meinen Geschwistern, meine Gedanken anzuvertrauen. Diese waren ungeahnt fassungslos über meine Aussage und meine ältere Schwester ermahnte mich folglich mit dem Hinweis, wenn ich nicht unverzüglich Ruhe gäbe mit diesen Blödsinn, würde sie mich persönlich unverzüglich in die Psychiatrie einweisen lassen…

Dumm wie ich war, begann ich vor Angst zu schweigen. Ein einziges Mal habe ich daraufhin nochmal versucht mir Gehör zu verschaffen, dieses Mal beim Chefarzt persönlich. Ich nannte ihm meine „Verdachtsdiagnose“, doch auch von ihm wurde ich nur belächelt und er zog die Diagnose erst gar nicht in Betracht. Von diesem Zeitpunkt an nahm ich mich zurück, schließlich wollte ich nicht als „verrückt“ gelten. Das schlechte Gefühl und die Geistesblitze waren jedoch weiterhin präsent und ich spürte den Tod mit jedem Tag mehr. Nach drei Wochen war es frühmorgens so schlimm, dass ich (nach einer mehr oder weniger schlaflosen Nacht) überhaupt keine Ruhe mehr fand. Unverzüglich rief ich auf Station an, wo man mir keine Auskunft geben konnte oder wollte, weil es in der Nacht wohl Komplikationen gab und man noch nichts genaueres zum aktuellen Zustand des Patienten vorlag. 

An diesem Tag ist mein Vater zur Mittagsstunde verstorben, an dem Kranksheitsbild, auf das ich den Chefarzt zuvor hingewiesen hatte!

Von da an machten mir diese Gedanken, die so urplötzlich einfach da waren und immer wieder da sind, schwer zu schaffen. Ich wollte sowas weder denken, noch fühlen oder erahnen, wie auch immer, ganz gleich  wie aber das sollte nie wieder passieren! Doch abstellen, kann ich es bis heute nicht.Auf Station bekam ich im Laufe der Jahre den Bei-Namen „schwarzer Engel“ weil ich immer wieder genau richtig liege mit dem was eintrifft.

Für mich persönlich ist es Fluch und Segen zugleich.

Aufgrunddessen war es mir immerhin möglich „alle“ meine Großeltern auf ihrem letzten Weg zu begleiten, Ihnen in Ihrer Sterbestunde bei Seite zu stehen. Ich war einfach immer da, weil mir der richtige Zeitpunkt im Gefühl lag. Das sind erstmal so einige, von vielen meiner Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Tod und den Sterbenden. Viele sind weitaus unerklärlicher und selbst ich hatte (und habe teilweise noch immer) Probleme damit sie zu verstehen. Anfangs dachte ich , dass es vielleicht doch nur Zufall war und tat es immer wieder als Hirngespinste ab, auch aus Angst die Nerven zu verlieren, schlimmstenfalls doch „verrückt“ zu sein.

Heute weiß ich, dass dem nicht so war und auch nicht ist. Es gibt nunmal Unerklärliches, genauso wie Wunder und alles was passiert, geschieht nicht ohne Grund. Alles hat seine Zeit, genauso wie eine Ursache, wenn auch nicht immer für uns greifbar.

Warum, wieso, wann und weshalb ich immer wieder solche „Geistesblitze“ habe werde ich daher sicher auch nie wirklich erklären können. Was ich sagen kann ist, dass ich halt spontane Eingebungen habe, bezüglich der Menschen die mir nahestehen, am ehesten vergleichbar mit den sogenannten Geistesblitzen, weshalb ich diese Gedanken für mich auch so benenne. Zudem ist mir klar geworden, dass die Geistesblitze immer Menschen betreffen zu denen ich eine tiefe Verbindung habe. Ob darin der Ansatz einer Erklärung liegt, in der tiefen emotionalen Verbindung, die es mir in Extremsituationen möglich macht, in Kombination mit meiner Sensibilität die Gefühle und Ängste „anderer“ wahrzunehmen…

oder ob es ganz einfach eine Art von Wunder ist?
Wer weiß…? 

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11 Kommentare zu „Diese Gedanken

  1. Puh.
    Mein erster Freund. Ich war zu Fuß unterwegs und auf einmal war da dies: er stirbt. Völlig bescheuert und aus dem Nichts. Er war zwanzig Jahre jung und kerngesund. Drei Monate später, mich begleitete dieser Gedanke quälend, kam er bei einem Autounfall ums Leben. Der erste Geistesblitz meines Lebens. Ich nenne es aber Antennen und wünschte, ich könnte sie abgeben.

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      1. Oh ja, zumal man in so jungen Jahren damit komplett überfordert ist. Man fühlt sich, wie von einem Fluch belegt.
        Man lernt damit umzugehen, aber wirklich angenehmer wird es nicht… Einmal nur war es wie eine Erleichterung. Bei einer Sterbebegleitung. Ich kochte Kaffee und dann war da, während ich das Kaffeemehl in den Filter löffelte: das letzte mal, dass G. Kaffeeduft riechen wird und ich sagte leise Danke.

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    1. Es sind schon ein paar Jahre vergangen, trotzdem wird sich die Lücke nie schließen, vor allem da ich doch ein Papa-Mädchen war und im Herzen immer noch bin. Leider war das sein Schicksal, sein Weg der wohl so für ihn bestimmt war…

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  2. Ich glaube ich fände es sehr beängstigend solche Eingebungen zu haben, gerade weil es scheinbar Menschen sind deren Verbindung tiefgehend sind .. Aber ich stimme vollkommen zu, dass alle Dinge, die geschehen einen Grund haben und auch dass alles seine Zeit hat!
    LG laura

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