Die Hormone

„…und wie das Leben so spielt!“

Scheinbar sind genau diese besagten Hormone in meinem Leben sowas wie eine Schlüsselfigur, die mich nicht nur körperlich beeinflussen, sondern in Folge auch gleich mein ganzen Leben durcheinander bringen…

Nachdem die Ursache meiner Thrombose mit Lungenembolie, auf einen Gerinnungsdefekt meiner Gene in Kombination mit hormoneller Verhütung, also der Pille zurückzuführen war, stand von diesem Zeitpunkt an fest, dass Zeit meines Lebens hormonhaltige Medikamente für mich tabu sind. Okay, das war zunächst eine Umstellung, aber damit konnte (und kann) ich leben, zumal ich ohnehin früher oder später meinem Kinderwunsch nachgeben wollte…

Doch zunächst war es mir natürlich wichtig meine Berufung zu vertiefen und beruflich lief es auch nahezu perfekt. Ich machte unzählige Fortbildungen im Bereich der Sterbebegleitung, verbrachte Zeit im Kloster, um an Tagungen teilzunehmen, besuchte spezielle Pflegekongresse diesbezüglich und das auch auf internationaler Ebene. Kurzum ich ging in meiner Arbeit auf, die ich bis heute so liebe. Irgendwie lief es jobmässig einfach und ich hatte auch kein Problem damit, ein Pflegekonzept mit Standarts zur Sterbebegleitung zu entwickeln, nachdem mein Arbeitgeber mich darum bat. Im Gegenteil ich empfand es als Lob und Ehre, dass mich das (noch mehr) freie Zeit kosten würde, sah ich damals auch nicht weiter tragisch.

Leider kam dadurch mein Privatleben doch mehr als zu kurz und meine heile Welt bekam mit der Zeit immer mehr Risse. Meine Partnerschaft hatte so sehr darunter zu leiden, dass sie ihren Glanz vom glücklich sein verlor, was letzendlich nach 12 gemeinsamen Jahren, zur Trennung, von meiner Jugendliebe geführt hat. Obwohl wir ein Jahr zuvor noch standesamtlich getraut worden sind und uns ein gemeinsames Haus gekauft hatten, war ich eigentlich nie zuhause und lebte für meine Arbeit. Die Trennung bzw. die Untreue meines Ehepartners war demnach sozusagen kein Wunder und ganz bestimmt spielten zu dieser Zeit auch seine Hormone etwas verrückt…

Die Trennung machte mir allerdings arg zu schaffen, hatte ich doch so nicht damit gerechnet, aber statt in diesem Moment beruflich kürzer zu treten, tat ich genau das Gegenteil. Was blieb mir denn sonst ausser, meine Patienten und deren Pflege? Ich kompensierte meine Trennung mit und durch meine Arbeit, was vielleicht hätte gut gehen können, wenn man nicht gerade wie ich, gesundheitlich, einem Montagsmodell der Autoindustrie, gleich kommt.

Angesichts bestehender, chronischer Mängel führte mich meine Dysharmonie von Körper, Geist und Seele somit nach einiger Zeit direkt auf den OP-Tisch, genauer zu einer

NOT – OP !!!

Mein Schicksal setzte hier wohl eindeutig Signale und nach einem gynäkologischem Eingriff an der Gebärmmutter, war zunächst (wieder) einmal eine Auszeit angesagt, die ich dann auch nötig hatte. Die OP hatte ich körperlich ganz gut überstanden, doch meine Seele litt an einem noch größerem Verlust, als dem meiner Ehe. Nach dem Eingriff bekam ich meine Diagnose, deren Inhalt u.a. Kinderlosigkeit mit sich brachte, wofür aussnahmsweise mal nicht die Harmone verantwortlich gemacht werden konnten.

Dieses „nie im Leben eigene Kinder“ hatte sich, wie ein Stachel, tief in mein Herz gebohrt…

Während meiner Krankschreibung, und der damit verbundenen drei monatigen Auszeit versuchte ich mich mit dem Gedanken „keine Kinder“ so gut wie es eben ging, anzufreunden und machte eben andere Pläne. Pläne, die ohne Kinder viel besser zu realisieren waren und ich begann darauf, zum Ende meiner Auszeit, einen Stationleitungs-Lehrgang. Dieses Mal allerdings achtete ich auf ein entsprechendes Gleichgeweicht zwischen Beruf und Privatleben. So lernte ich in dieser Zeit auch einen Mann kennen der mich auf Händen trug. Dieses Gefühl habe ich sehr genossen, auch wenn ich ihm selbst nicht die gleiche tiefe Liebe entgegenbringen konnte und umso größer war der Schock nach einen halben Jahr gemeinsamer Zeit…

Ich hatte zunehmend wieder diese quälenden Unterleibsschmerzen, zudem hatte ich mir laut Hausarzt eine Lebensmittelvergiftung zugezogen, verlor immer mehr an Gewicht und sah nicht nur erschreckend aus, nein, es ging mir zugleich richtig, richtig schlecht. Der Mann an meiner Seite war in großer Sorge, wie auch meine ganze Familie und auf ihr Drängen vereinbarte ich dann doch einen Kontrolltermin bei meinem Gynäkologen. Natürlich war auch der damalige, treusorgende Mann, bei dem Termin, an meiner Seite und hielt meine Hand, als der Frauenarzt mir sagte:“…auch nach der OP, kann immer wieder was zurückkommen, das müssen wir untersuchen!“

Damals wie heute mag ich weder diesen Stuhl, noch die Untersuchung, aber mir blieb keine andere Wahl und ich folgte dem Arzt zur Untersuchung, bei welcher er zunächst meinte:“…da ist tatsächlich wieder was, wir müssen noch einen Ultraschall machen um das genauer zu klären.!“ Unter Tränen folgte ich ihm zur Sonographie, denn ich wollte keine zweite Operation und hatte Angst. Durch meine Tränen sah ich erst gar nicht auf den Monitor, ich wollte einfach nur, dass es vorbei ist und war froh nicht alleine zu sein…

Was dann passiert ist, war zunächst ein weiterer Schock für mich und um es  mit den Worten meines Arztes zu sagen:

„…danken sie Gott, oder egal an wen sie glauben, aber seien sie dankbar für das Leben und dieses Wunder! GLÜCKWUNSCH sie sind schwanger…!“

Schwanger ich? Das konnte doch nicht sein! Ich konnte es nicht fassen, weinte nur noch mehr und wollte dieses Glück erstmal gar nicht glauben. Mein erster Gedanke war, dass ich meine behandelnden Ärzte, wenn ich in den USA gelebt hätte, verklagt hätte auf Schmerzensgeld und und und…

Ich war tatsächlich bereits in der 16. SSW und schon die sogenannte Lebensmittelvergiftung basierte eher auf den Hormonen, statt wie angenommen auf den Pilzen und war wohl zu dieser Zeit der beginnende Teil meiner Schwangerschaft – die trotz Wunder – leider eine Risikoschwangerschaft blieb, durch welche der damalige Mann an meiner Seite, mich vorbildlich begleitete. Obgleich auch das nichts an der Tiefe meiner Gefühle für ihn änderte, war es was ganz Besonderes und absolut Einmaliges, dass wir „dieses Wunder“ gemeinsam erleben durften.

Dieses Wunder, mein Sohn, wird auf ewig eines der schönsten und größten Alltags-Wunder für mich bleiben…

…und obwohl er seinen Vater nicht kennt, hoffe ich, dass er eines Tages eine Frau so auf Händen tragen wird, wie ich auf Händen getragen worden bin, denn auch die Zeit nach der Geburt war alles andere als einfach und viel mehr als nur eine Herausforderung. Mir blieb bei der Geburt das Herz stehen, ich war klinisch tot und habe das Licht gesehen (mehr dazu folgt) und auch mein Sohn musste sich ins Leben kämpfen. Mit alldem kam der damalige Mann an meiner Seite, so aber nicht klar. Daraufhin hatten wir die Entscheidung getroffen, dass eine Trennung das Beste sei, für uns alle. Nichts desto trotz, werde ich immer dankbar sein, für unsere gemeinsame Zeit, die mir das allerschönste Geschenk meines Lebens gebracht hat, das Glück Mutter zu sein und eine Liebe zu erfahren, die nur Kinderherzen geben können.

Für heute bleibt mir zu sagen, genießt eure Zeit, euer Leben und bedenkt, dass es nur eine wichtige Zeit gibt

„hier und jetzt“

 ist alles was zählt, denn

das Leben ist und bleibt eben ein Wunder, wenn auch auf Zeit und obschon die Hormone immer wieder mal verrückt spielen, nicht immer alles so läuft wie man es gerne möchte,

bin ich mehr als dankbar, für jede Sekunde die ich,

die WIR leben!

Es grüßt euch herzlichst, die Nelly

 

 

 

 

 

15 Kommentare zu „Die Hormone

    1. Lieben Dank @wonndl tatsächlich habe ich schon einige Hürden hinter mir, momentan gilt es auch wieder welche zu meistern und ja letztendlich ist mein Sohn mehr als ein wunderbares Geschenk des Lebens. Schon alleine, dass ich ihn habe gibt mir jeden Tag Kraft und Mut für das was kommt… Dir ganz herzliche Grüße, die Nelly

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  1. Was für eine berührende und unfassbare Geschichte, dazu noch so schön geschrieben! Danke, dass du diese Geschichte teilst, ich glaube dass du damit sehr vielen Menschen in den verschiedensten Lebensbereichen Kraft gibst, Träume nicht aufzugeben, bzw. überhaupt Schlechtes durchzustehen. Ich bewundere dich sehr für diese Kraft, die dein Artikel ausstrahlt.

    Alles Liebe,
    Katha

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    1. Liebe Katha, ich danke dir sehr für deine Worte, sie geben mir den nötigen Mut mich hier so „offen“ mitzuteilen. Demnächst geht es hier auch wieder weiter. Das Schicksal hat mir mal wieder spontan eine Herausforderung gestellt, an der ich mich noch an Erfahrung übe… aber nichts desto trotz, eben gerade wegen solchen Worten wie deinen wird es auch hier weitergehen! Mein aufrichtigen Dank dafür. Herzlichst, die Nelly

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  2. Ein ergreifender Bericht zu einem Ablauf, komprimiert zwar, aber wundersam. Schön finde ich die für mich gar nicht verwunderliche Tatsache, dass das mit der Schwangerschaft erst geklappt hat, als auch Dein Inneres wohl dazu bereit war, quasi als Dein Kopf gar nicht mehr dran gedacht hat und es in’s Leben gepasst hat. Ich glaube, das sitzt oft das Problem bei Paaren, die nicht schwanger werden, wenn es der Körper, die Lebensumstände gar nicht zu lassen wollen, „man“ es aber partout grad so will und plant, so wie „man“ das heute ja so macht… Und der Herzstillstand scheint ja auch gut gegangen zu sein 🙂

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    1. Komprimiert auf das für mich Wesentliche 🙂 und ja du hast absolut Recht, ich hatte zum Zeitpunkt meiner Schwangerschaft bereit mit dem Kinderwunsch abgeschlossen, daher auch zunächst der Schock, ungewollt – gewollt schwanger zu werden ist eben nicht so ganz normal 😉 Der Herzstillstand bze die Ranimation ging GOTT SEI DANK gut, wenn es auch nicht so einfach war wie ich darüber schreibe O.o Dir einen wunderschönen Mittwoch… Herzlichst, die Nelly ❤

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      1. Danke, wünsche ich Dir auch. Hm, ja stimmt, der ungewollte Schock ist natürlich auch nicht einfach. Ich habe das Gefühl, ich lese aus Deinen Beiträgen auch so ein bisschen raus, diese nicht immer einfachen „Überraschungen“ aus dem „Nichts“ sind Teil Deines Lebens. Schön, dass Du trotz allem Deinen Humor und die Lebensfreude nicht verloren hast 🙂 Viele Grüße Willi

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      2. Oh also eins ist sicher, seit ich weiss wie schnell das Leben vorbei sein kann lebe ich definitiv anders, quasi nach dem Motto: „ich will Alles und das Jetzt“ 😉 Daher ist wohl meine neuste Herausforderung mich in Geduld zu üben /o\ ….

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    1. Danke dir liebste Laura, weisst du egal wie traurig das Leben auch sein kann, wichtig ist die Freude daran nicht zu verlieren und ich geb‘ mir Mühe stets das Beste daraus zu machen 😉 Dir noch einen wundervollen Abend, Herzensgrüsse, die Nelly ❤

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      1. Du bist so positiv, aber ich glaube wenn jemandem so ein schicksal prägt, liegt es nahe stets positiv zu denken.. Ich find es toll!
        Dir auch einen schönen Abend!

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      2. Danke… und ohje du machst mich verlegen 😉 denn auch ich habe „schwache Tage“ /o\ an denen ich mir wünsche, dass alles einfach einfacher wäre…! Freu‘ mich übrigens dich hier dabei zu wissen. ❤

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