Glücksmomente

„…gibt es viele im Leben und doch ist jeder Moment auf seine Art einzigartig, oft auch unvergesslich, denn manchmal wird genau in einem dieser Augenblicke ein (kleines) Wunder wahr,

so wie bei der Geburt eines Kindes“

Tatsächlich ist es und bleibt es für mich eins der größten Wunder, wenn neues Leben das Licht dieser Welt erblickt. Dieses Glück zu erfahren ist nahezu unbeschreiblich… selbst für mich. Nichts desto trotz, versuche ich in Worte zu fassen, wie ich diese Freude, dieses Glück erleben durfte.

Nachdem „der Schock“ überwunden war, schwanger zu sein, obzwar eine Unfruchtbarkeits Diagnose feststand, spielten schnell auch neben meinen Schwangerschaftshormonen, meine Endorphine verrückt. Ich war so im Freudesrausch, über diese ungewollt-gewollt Schwangerschaft, dass ich erst gar nicht die damit verbundenen Risiken auf mich zu kommen sah. Ich war einfach nur tausendglücklich, über dieses einmalige Geschenk des Lebens und so konnte ich es kaum erwarten endlich „Mama zu werden“.

Folglich störte mich auch die Tatsache einer Risiko Schwangerschaft nicht im Geringsten. Ich ließ bedenkenlos, alle nötigen Untersuchungen über mich ergehen, spritze mir täglich mein Heparin und sah auch weiterhin keine Probleme auf mich zukommen. Im Gegenteil, meine Freude wurde mit jedem Tag größer und ich fieberte der Geburt entgegen. Selbst eine Woche Krankenhausaufenthalt, in der 28.SSW, wegen leichter Wehentätigkeit, konnte mein Glück nicht trüben. Ich sah diese Woche eher als kleine Auszeit, um nochmal Kraft zu tanken für die bevorstehenden schlaflosen Nächte. Als dann während dieser Woche, aus gegebenem Anlass, auch noch ein 3D-Ultraschall gemacht wurde, fühlte ich das Glück zum Greifen nah. Diese Aufnahmen waren quasi wie schwarz/weiss Fotos von „unserem Baby“, das sich ab diesem Zeitpunkt, ganz klar, als ein Junge zu erkennen gab.

Nun musste also innerhalb knapp acht Wochen ein passender Name gefunden werden, doch wie so oft zeigte sich eine Einigung diesbezüglich gar nicht so einfach. Es kam immer wieder zu Diskussionen, eine davon im Laufe der Planung des abendlichen Fernsehprogramms und wiedermal fand keiner der Vorschläge gefallen. Verärgert darüber sagte ich beiläufig, mit Blick auf einen Film von Louis de Funès:“…gut, okay – dann nennen wir ihn eben Louis!“ Aus dieser zunächst trotzigen Reaktion, wurde die Idee, dass genau dieser Name passen könnte und ja genau das sollte der Name dann auch werden. Im Nachhinein war auch das einer von vielen Glücksmomenten, denn nicht nur, dass unser Baby nicht mehr namenlos war, nein der Name passt einfach perfekt und unterstreicht durch seine Schreibweise LUY, die Einzigartigkeit meines So(hn)nenscheins.

Nachdem die Namensfrage schließlich geklärt war und auch die sonstigen Vorbereitungen abgeschlossen waren, stand dem Tag der Geburt nichts mehr entgegen. Wir waren bereit für Luy und warteten auf dieses kleine Wunder.

Am errechneten Geburtstermin, war ich bereits drei Tage stationär im Krankenhaus, mit heftigen Wehen, unter denen ich sehr zu leiden hatte, ohne dass der eigentliche Geburtsvorgang seinen Lauf nahm. Eine natürliche Geburt rückte immer weiter in die Ferne und zum ersten Mal bekam ich ein ungutes Gefühl. Diese Gefühl wurde bei einer Untersuchung bestätigt, bei der sich herausstellte, dass durch mein Becken eine natürliche Geburt unmöglich sei. Luy musste nun schnellstmöglich per Kaiserschnitt „geholt“ werden. Natürlich stimmte ich dem ohne Zögern zu, eben weil es schon höchste Zeit für den kleinen Mann wurde. Ich nahm die Situation einfach als gegeben hin und tröstete mich mit dem Gedanken, Luy alsbald in den Armen halten zu können. Einzig die Entscheidung des Anästhesisten bzgl. der Narkose stimmte mich etwas trüb. Ich wollte keine Vollnarkose, wünschte ich mir doch die Geburt miterleben zu dürfen. Allerdings wurde meinem Wunsch nicht nachgegeben, aufgrund der Risiken und ich bewilligte eine Vollnarkose. Letztendlich hatte ich doch keine Wahl und nach spätestens einer Stunde würde ich ohnehin „mein Glück“ in den Armen halten, dachte ich zumindest…

Mithin wurde ich unverzüglich in den OP-Saal geschleust, wo man mich bereits erwartete. Die Vorbereitungen für den Kaiserschnitt waren soweit abgeschlossen und man alberte noch kurz herum, über das Geschlecht, den Namen usw. bis endlich überdies der Anästhesist bereit war, die Narkose zu setzen. Er bat mich während des Einspritzen des Narkosemittels von 10-0 rückwärts zu zählen. Ich dachte dabei an mein Kind, dass nun bald als neuer, kleiner Erdenbürger, die Welt bereichern würde. Indessen kam ich beim Zählen nur bis 7, als sich plötzlich Panik in mir ausbreitete. Ich bekam keine Luft mehr, schlagartig drohte ich zu ersticken, meine Lunge gab mir das unerträgliche Gefühl zu zerreißen und ich versuchte vergeblich um Hilfe zu schreien, bis zu dem Moment, in dem ich meinen Körper verlassen hatte…

Eine seltsam friedliche Stille war auf einmal greifbar und ich selbst wurde ganz ruhig. Ich befand mich in einem Tunnel, der hell erleuchtet schien und an dessen Ende noch mehr hell-lichtiges Strahlen zu erkennen war, derweil ich mich umsehen konnte. Noch nie habe ich einen friedlicheren Moment gespürt, als in diesem Augenblick, den ich völlig losgelöst, frei und ohne Angst erlebte. Sogar als ich nach „unten“ schaute und dem Geschehen im OP genau zusehen konnte, blieb dieses unerklärliche Gefühl der Ruhe. Ich sah und spürte förmlich die Hektik und Panik der Menschen um den OP-Tisch, während ich ganz gelassen meiner Reanimation zusah. Es waren drei Wiederbelebungsversuche nötig um mich „zurückzuholen“ wobei ich mich in dieser Zeit, bewußt für das Leben und für meinen Sohn entschieden habe. In meinem „Ausser-körperlichem-Zustand“ war es meine Entscheidung, welche Richtung, welchen Weg ich nahm. Es war mir offen dem Tunnel in Richtung Licht-Ausgang zu folgen oder zurückzukehren, ins Leben. Meine Entscheidung traf ich in tiefer Liebe zu meinem Sohn, den ich einfach in den Armen halten wollte und um für ihn da zu sein. Just als ich diese Wahl getroffen hatte, wurde um mich herum alles schwarz und jegliche weitere Wahrnehmung blieb mir verwehrt. In diesem Augenblick war ich zurück in dieser Welt und bekam nichts mehr mit von dem was um mich geschah.

Ungefähr drei Stunden nach dem Kaiserschnitt wurde ich dann endlich wieder wach, mit einem sonderbarem Gefühl, denn mir war als hätte ich das „Alles“ nur geträumt. Dieses Albtraum Gefühl war mehr als seltsam, umso mehr als ich realisierte, dass kein Baby in meiner Nähe war und überhaupt stimmte hier gerade gar nichts…

Wo war ich? Wo war mein Baby?

Ich suchte nach der Klingel und drückte unverzüglich diesen roten Knopf. Mir war nach höchster Alarmstufe, als gleich darauf ein Pfleger vor meinem Bett stand und mir versicherte, dass Luy wohlauf sei und er im Säuglingszimmer versorgt würde, allerdings würde der Oberarzt mit mir reden wollen, schliesslich lag ich auf der Intensiv-Station. Das beunruhigte mich, aber Gott sei dank, ließ der OA nicht lang auf sich warten. Innerhalb weniger Minuten war er bei mir, setzte sich zu mir aufs Bett und erklärte mir, dass es zu Komplikationen während der Narkose Einleitung gekommen war und mein Herz, da ich auf das Betäubungsmittel allergisch reagierte, aussetzte:

Herzstillstand zum Zeitpunkt der Geburt meines Sohnes.

In diesem Moment wurde mir sowas von anders, ich fühlte mich einfach nur überfordert, richtig schlecht, als mir bewusst wurde, dass mein Alptraum, gar kein Alptraum war, sondern vielmehr ein Wunder und genau das versuchte der Oberarzt mir auf seine Weise schonend zu erklären.

Ich verstand auf einmal Alles und Nichts gleichzeitig und kam erst wieder zur Ruhe, in einem für mich absoluten Glücksmoment, als ich zum allerersten Mal dieses kleine Wunder von Leben in meinen Armen hielt, mein Wunder Namens LUY…

Bis heute bin ich für jede Minute dankbar die ich, die wir gemeinsam erleben dürfen, auch oder gerade trotz allen Höhen und Tiefen (wenn ich von tief rede, dann meine ich so richtig, richtig tief, wie Luys Koma das folgte und die Folgen meines Herzstillstands und, und, und.) Wichtig ist immer wieder die kleinen Glücksmomente bewusst zu erleben, ja gar zu genießen und sich diese gerade in schweren Zeiten immer wieder hervorzurufen,

denn letztendlich ist jedes Leben, deins, meins und vor allem, das von Luy – pures Glück und ganz viel Wunder…!

 

Euch allen wünsche ich an dieser Stelle ein Leben (oder mehr) mit vielen, wundervollen Glücksmomenten, die euer Leben bereichern und immer wieder für Freude in eueren Herz sorgen…

Herzlichst, die Nelly

 

 

 

6 Kommentare zu „Glücksmomente

  1. Ich bin gerade mehr als sprachlos, Deine/Eure Geschichte macht mich sprachlos. Die Verbindung zwischen Mutter und Kind ist einfach ein unglaubliches Wunder und wie Du schreibst ein Glücksmoment. Und in mir weckt es noch mehr die Sehnsucht nach genau diesen Glücksmoment…..zwei Mal durfte ich es schon erleben und wir sind bereit für ein drittes Mal. Ich versuche meine Gefühle in meinem Blog dazu mal zu formulieren, weil Deine Geschichte bewegt…viel. Namaste Katinka

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    1. Liebe Katinka, wie Recht du hast 🙂 Kinder sind einfach ein Wunder für sich und es freut mich. dass ihr bereit seit für ein drittes Mal! Ich selbst hätte auch gerne mindestens zwei Kinder gehabt, aber ich bin mehr als glücklich, dass ich überhaupt Luy habe und Das Schicksal fordert mich selbst nur mit einem Kind, wie für sieben, daher passt das genauso wie es ist! Dir ein wunderschönes We mit zauberhaften Glücksmomenten und viel Sonnenschein. Alles Liebe, die Nelly

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      1. Ja das Schicksal….oft einfach nicht gerecht, meiner Meinung nach. Der Name Luy ist toll, sehr sehr toll…muss ich mir merken, wenn ich darf 😉 Ja bei uns passt es…..Platz ist in der kleinsten Hütte 🙂 Dir/Euch auch ein wundervolles WE. Katinka

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      2. DANKE! Ja, es ist schon so, dass auch ich manche Erfahrungen ausgelassen hätte, wenn es denn nach mir ginge, aber da dem nicht so ist, bleibt mir nur das Beste aus allem zu machen und den kleinen Alltagswunder auf der Spur zu bleiben 🙂 und dass, du dir den Namen Luy merkst ehrt mich, von wegen Mutterstolz und so… Herzlichst, die Nelly

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